Stimmungen & Stimmen

Bericht von Manuel
über 3 Jahre Erfahrung

Ist das nicht toll?
Schülercoach KD.S. aus Dinkelsbühl berichtet

Eine Schülerin
"Ich habe einen Schülercoach", schwärmt Neslihan A.
(Ein Gespräch mit Neslihan)

Eine Schülerin
Ich hatte das Angebot abgelehnt. Ich wollte keinen Schülercoach. Ich habe viele Kontaktpersonen. Mein Vater ist ständig zu Hause. Ich habe drei Geschwister. Meine Mutter sehe ich zwar nicht so oft, aber die Lebensgefährtin meines Vaters ist meist da. Sie hat auch Kinder. Wir verstehen uns meistens.
Doch es gibt nichts, was nur mir gehört, es gibt niemanden, der mir wirklich zuhört, niemand, mit dem ich wirklich reden kann.
Ich habe das Angebot dann doch angenommen. Wollte mal probieren, kostet ja nichts. Mit meinem Coach hatte ich mich direkt verstanden. Ich durfte in ihren Tagesablauf schauen, konnte mit ihr reden und lachen. Es war einfach nur schön, einfach super. Mein Vater hat das leider zerstört. Es hat ihm nicht gepasst, dass ich gerne mit meinem Coach zusammen war und aus seiner Sicht die Zeit vertrödelt hatte. Vielleicht ist er auch eifersüchtig? Schade. Ich darf mich nicht mehr mit ihr treffen.

Ich bin Schülercoach, weil
meine Kinder nun flügge geworden sind und ich jetzt die Zeit und Lust habe mich zu engagieren. Ich möchte versuchen Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, um ihren Weg zu finden.

Ich bin der Meinung, dass alle Kinder, unabhängig von Herkunft oder Bildungshintergrund der Eltern ein Recht auf Förderung und Unterstützung haben. Deshalb habe ich mich als Schülercoach engagiert.

Erlebnis
Ich hole mein Coachkind mit meiner Tochter bei ihrer Freundin ab und wir machen verschiedene Besorgungen für uns und auch für sie ( ein Geburtstagsgeschenk für eine Bekannte von ihr aussuchen ) und sind dabei ca. 3 Stunden unterwegs. Als ich sie dann heimbringen will (sie wohnt im Nachbardorf) sagt sie zu mir: „ Darf ich denn nicht mehr mit zu dir nach Hause?“ Ich war sehr überrascht und habe mich gefreut, denn bisher hatte sie mir nicht gezeigt, dass sie es so wichtig und schön findet, bei mir zu Besuch zu sein.

Ich bin Schülercoach, weil
ich die Jugendlichen unterstützen möchte. Die Entwicklung von Interessen und Ideen erachte ich als wichtiges Gut für den weiteren Lebensweg in einer zunehmend leistungsorientierten Gesellschaft.

Ein Schüler
Zuerst hatte ich niemandem gesagt, dass ich einen Schülercoach habe, weil das uncool war, dachte ich. Inzwischen bin ich froh, ihn als Freund zu haben. Und das kann jeder wissen, weil es schön ist.

Erlebnis
Ein Problem bei meiner Schülerin, wie auch bei vielen anderen, ist, dass sie bei Schwierigkeiten die Vogel-Strauß-Taktik probiert: Verweigerung, Abtauchen, einfach nicht da sein. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Lehrer( Wutausbrüche auf beiden Seiten, Geschrei, Tränen ihrerseits) hatte sie vor, sich wegen vorgeblicher Bauchschmerzen ein Attest beim Arzt zu holen, um am nächsten Tag  erst mal ein Wiedersehen zu vermeiden. Dabei wurde sie von ihren Eltern auch noch unterstützt! Nachdem wir die Sache mehrmals von allen Seiten beleuchtet hatten (Überraschende Erkenntnis meinerseits: sie kann äußerst erfindungsreich beim Argumentieren sein) war sie beim Abschied trotz meiner Einwendungen immer noch der Ansicht, sie könne am nächsten Tag auf keinen Fall in die Schule gehen. Umso stolzer war ich auf sie, dass sie dann doch hingegangen ist. Sie hat zwar im Streitgegenstand beim Lehrer nichts mehr erreicht, aber ich habe ihr gesagt, dass ich ihr Verhalten am nächsten Tag prima und tapfer fand. Seitdem ist „Durchhalten“ öfter ein Thema bei uns. Aber meist geht es darum, dass sie das Vermeidungs- Verhalten jetzt bei anderen kritisiert.

Ich bin Schülercoach, weil
mich junge Leute interessieren und ich selbst als Jugendlicher viel Gutes von Dritten (Onkeln, Tanten, Nachbarn) erfahren habe, weil das Modell sich leicht realisieren lässt und Spaß macht.

Ein ehemaliger Schüler
Ich hatte einen Schülercoach und bin dankbar dafür. Er hatte mir nicht ständig gesagt, was ich zu tun habe, sondern mich einfach akzeptiert. Das hat mich sicherer gemacht. So habe ich erkannt, was in mir steckt, ich habe den Quali geschafft und werde bald die Prüfung als Werkzeugmacher ablegen.

Ich bin Schülercoach, weil
ich den Jugendlichen
 Perspektiven für Ihre Zukunft nicht nur aufzeigen möchte, sondern sie auf ihrem Weg zum Ziel ein längeres Stück begleiten kann.

Eine Schülerin
Ich habe einen Schülercoach und das ist gut so. Wir können über alles reden. Sogar ein bisschen Nachhilfe in Mathe und Deutsch erhalte ich, wenn Bedarf ist.

Aus Dinkelsbühl 
Erfahrungsbericht aus der Hans-von-Raumer-Mittelschule

Erlebnis
Mein Coachkind hat mich zu seiner Konfirmation eingeladen. Dabei kam ich an einem Tisch zu sitzen mit einem Ehepaar, bei dem sie öfter als Babysitter aushilft. Es entspann sich eine Diskussion über die Zukunft der Konfirmandin und der Ehemann wies darauf hin, dass sie aus seiner Sicht unbedingt eine Kinderpflegerinnenausbildung beginnen sollte, weil sie doch so eine gute Babysitterin sei. Ich habe dagegen argumentiert, dass mein Coachkind gerade in einer Phase ist, wo sie Praktika für alle möglichen Berufe machen sollte, um sich dann erst zu entscheiden, und dass man sie nicht zu früh in eine Richtung schieben sollte. Mein Coachkind hatte aus der Distanz die Diskussion verfolgt und sagte mir später, dass sie sich schon länger „genervt“ fühle, weil sie von allen in ihrer Umgebung immer wieder in die Erzieherinnenrichtung gedrängt werde; dabei betrachte sie die Babysitterei nur als Mittel zum Zweck zum Geldverdienen und seit dem Babysitten wäre ihr erst recht klar geworden, dass dies nicht der richtige Beruf für sie wäre. Ich werte dies als Erfolg, denn ich konnte ihr in einer Situation beistehen, in der sie durch ihr Umfeld nicht richtig ernstgenommen und unterstützt wird in der doch sehr wichtigen Frage der Berufswahl.